Infos zu Fritz Bauer Oktober 2022

Liebe Interessent*innen des Fritz Bauer Freundeskreises,
anbei wieder einige aktuelle Informationen zum Thema Fritz Bauer:
(Anhänge nur im Originalrundbrief)

1. Zum 10jährigen Jubiläum des Fritz Bauer Platzes in Braunschweig

In der Zeit vom 9.- 15. September 2022 fand eine Veranstaltungsreihe zum 10jährigen Jubiläum des
Fritz Bauer Platzes in Braunschweig statt. Die einzelnen Beiträge (Vorträge/ Stadtspaziergang/ neuer
Dokumentarfilm zu Bauer) wurden gut angenommen. Dazu ein Bericht von Udo Dittmann im Anhang
sowie ein Artikel zur Station 7 des Stadtrundganges zu Fritz Bauer (Generalstaatsanwaltschaft/ Fritz
Bauer Platz/ Justitia)                      Anhang 1/ 1a
In dem Zusammenhang erwähnte Gerd Biegel, Leiter des Instituts für Braunschweigische
Regionalgeschichte, dass es in Frankfurt im Jahr 2014 nicht zu einer Platzbenennung nach Fritz Bauer
gekommen war. Der Vorschlag dazu war von verschiedenen Seiten gekommen, allerdings wurde der
Platz vor dem Fritz Bauer Institut in Norbert-Wollheim-Platz (vormals: Grüneburgplatz) umbenannt.
Siehe dazu Weltexpresso (Frankfurter Kulturmagazin) vom 23. Juli 2014
https://t1p.de/tbtwh
Es ist geplant, im kommenden Jahr wieder eine ähnliche Veranstaltungsreihe (anlässlich des 120.
Geburtstags von Bauer am 16. Juli) anzubieten. Außerdem wird das Institut für Braunschweigische
Regionalgeschichte ein Symposium zu Fritz Bauer und Curt Staff durchführen.

2. Christof Müller- Wirth: Eine letzte Begegnung mit Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer am
28. Juni 1968 im Schlosshotel in Karlsruhe

Dr. Christof Müller-Wirth, Verleger von 1959- 1994 des C.F.Müller-Verlages in Karlsruhe, ist am 12.
März 2022 nach zweijähriger Krankheit verstorben. Im Jahr 1968 hatte er noch drei Tage vor dem Tod
Fritz Bauers ein Treffen mit ihm, über das er im Forschungsjournal „Soziale Bewegungen 4/ 2015)
berichtete. Bauer hatte gerade einen Vortrag in Karlsruhe gehalten und sich anschließend mit ihm
getroffen. Trotz des gehaltenen Vortrages hatte Bauer keine Anzeichen von Müdigkeit gezeigt. Hier
als Erinnerung an Müller-Wirth der Bericht über die Begegnung mit Bauer. Er war vielleicht eine der
letzten Personen, die Bauer noch vor seinem Tod getroffen hatte. Anhang 2
3. Fritz Bauer Film „Tod auf Raten“ – in der Gedenkstätte „Perm 36“ (2011)
Die Gedenkstätte „Perm 36“ ist eine der markanten Gedenkstätten in Russland gewesen, die nach dem
Zerfall der Sowjetunion auf einem ehemaligen Gulag-Gelände eingerichtet worden ist. Wesentlich zur
Gründung beigetragen hat die Menschenrechtsorganisation „Memorial“, die 2022 den
Friedensnobelpreis erhalten hat. In der Gedenkstätte wurde seit 2005 ein Bürgerrechts-Festival
durchgeführt. 2011 wurde dort in Kooperation mit amnesty international der Fritz Bauer Film „Tod
auf Raten“ von Ilona Ziok gezeigt. Dazu ein kurzer Bericht von 2014, der durch aktuelle Verleihung
des Friedensnobelpreises an „Memorial“ wieder an Aktualität gewonnen hat.
https://t1p.de/orgyv

4. Desirée Hilscher: Den Helden geschaffen – Fritz Bauers Rückkehr ins kollektive Bewusstsein
(Neuerscheinung 2022)

In der Kleinen Reihe zur Geschichte und Wirkung des Holocaust (Band 3), Göttingen (2022) ist ein
neues Buch über Fritz Bauer erschienen, das die Erinnerung an Fritz Bauer als identitätsstiftendes
gesellschaftspolitisches Narrativ beschreibt.
https://www.fritz-bauer-institut.de/publikation/den-helden-geschaffen
Eine Besprechung zu der damaligen Masterarbeit ist auf der Webseite des Fritz Bauer Freundeskreises
zu finden „Zum Fritz Bauer Boom 2010- 2020. Versuch einer Erklärung“
https://t1p.de/2kpt7

5. Fritz Bauer Studienpreis 2023

Der Fritz Bauer Studienpreis, der 2014 vom damaligen Bundesjustizminister Heiko Maas gestiftet
wurde, wird seit 2015 alle zwei Jahre vergeben. Bewerbungen können bis zum 31. Dezember 2022
beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz eingereicht werden.
https://www.bmj.de/DE/Themen/ProjekteUndFoerderung/FritzBauer_Studienpreis/FritzBauer_node.html

6. Fritz Bauer Hain (Israel)

Im Wiederaufforstungsgebiet des Jüdischen Nationalfonds in den Jerusalemer Bergen befindet sich
der Fritz Bauer Hain, in dem im Rahmen einer Bürgerreise von Braunschweig in die Partnerstadt
Kiryat Tivon (vom 23.10.- 31.10.2022) – auf dem Weg nach Jerusalem – Bäume in Erinnerung an die
Persönlichkeit von Fritz Bauer gepflanzt werden.
Es ist erstaunlich, dass es inzwischen auch Orte in Israel gibt, an denen an Fritz Bauer gedacht wird.

7. NS- „Euthanasie“
– Uwe Timm: Ikarien – Die Geburt der Rassenhygiene aus dem Geist der Utopie

In seinem neuen Roman behandelt Uwe Timm die Biographie von Alfred Ploetz, der 1905 die Berliner
Gesellschaft für Rassenhygiene gründete und als einer der Wegbereiter der NS-„Euthanasie“ gilt. Mit
fiktiven Personen wird die Biographie von Ploetz beschrieben, der ursprünglich als Kommunist
soziale Utopien verfolgte, in Breslau den Geheimbund „Pacific“ gründete (dem auch Gerhard
Hauptmann angehörte) und der 1884 in die USA reiste, um die soziale Utopie „Ikarien“
kennenzulernen, die durch den Franzosen Cabet entstanden war. In dem lesenswerten Buch geht Timm
der Frage nach, wie Ploetz vom Kommunisten zum Begründer der Rassenhygiene werden konnte.
Dazu ein Interview im Deutschlandfunk mit Uwe Timm.
https://t1p.de/wdzlg

– Herbsttagung des Arbeitskreises zur Erforschung der NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisation
in Lüneburg vom 11.- 13.11.2022
Die Herbsttagung 2022 des Arbeitskreises findet in der „Euthanasie“-Gedenkstätte- Lüneburg im
Gesellschaftshaus (Haus 36) der Psychiatrischen Klinik Lüneburg statt.
Weitere Infos unter: https://t1p.de/r6de8

– Stellungnahme des AK „Euthanasie-Forschung“ zur Suizid-Assistenz (Oktober 2022)
https://t1p.de/5j0ns

– Klaus Dörner, einer der Wegbereiter der modernen Psychiatrie und Mitbegründer des
Arbeitskreises zur Erforschung der NS-„Euthanasie“, ist am 29.9.2022 verstorben
Mit seinem Buch „Bürger und Irre“ (1969) hatte Klaus Dörner wesentlich zur Aufbruchstimmung in
der modernen Psychiatrie beigetragen. 1983 war er Mitbegründer des „Arbeitskreises zur Erforschung
der NS-‚Euthanasie’ und Zwangssterilisation“. Sein Engagement führte 1999 zur Herausgabe der
Edition zum Nürnberger Ärzteprozess 1946/47. Mit Büchern wie „Tödliches Mitleid“ und „Heilen und
Vernichten“ trug er zur Aufarbeitung der NS-Medizinverbrechen bei.
– Traueranzeige in der Süddeutschen Zeitung Anhang 3
– Nachruf von Michael Wunder (Alsterdorfer Stiftung, Hamburg) Anhang 3a

– Zum Gedenkort „Kalmenhof“ in Idstein (Hessen)
In einer Pressemitteilung vom 23.August 2022 wird auf die problematische Situation des ehemaligen
Kalmenhof-Krankenhauses hingewiesen. Dort soll ein „würdiges Erinnern an Tatorten der
‚Euthanasie-Morde’“ ermöglicht werden – stattdessen verwahrlost das Gelände.
„Seit Jahren wird eine Kultur des Wegschauens gepflegt“ Anhang 4

– Film „Spur der Erinnerung“ – über die Morde in der Tötungsanstalt Grafeneck
Di, 15.11.2022 – um 9 Uhr (für Schulen)/ um 18 Uhr öffentlich – Stadtpalais Stuttgart
Im Rahmen des AnStifter-Projekts „30 Tage im November“ wird im Stadtpalais Stuttgart der Film
„Spur der Erinnerung“ gezeigt. Der Film dokumentiert die ungewöhnliche Bürgeraktion von ca 8000
Personen, die auf den Beginn der „Euthanasie“-Aktion in Grafeneck (Schwäbische Alb) aufmerksam
machten. Schon im Oktober 1939 wurde Grafeneck beschlagnahmt und in eine Mordfabrik
umgestaltet. Anhang 5

– Neue Literatur zur NS-„Euthanasie“
Jörg Osterloh, Jan Erik Schulte (Hg): „Euthanasie“ und Holocaust: Kontinuitäten, Kausalitäten,
Parallelitäten. In: Schriftenreihe der Gedenkstätte Hadamar. Band 2. Paderborn. 2022 (69,00 €)
Jörg Osterloh, Jan Erik Schulte, Sybille Steinbacher (Hrsg): „Euthanasie“- Verbrechen im besetzten
Europa. Zur Dimension des nationalsozialistischen Massenmords. Studien zur Geschichte und
Wirkung des Holocaust, Band 6. Hrsg. von Sybille Steinbacher im Auftrag des Fritz Bauer Instituts.
Göttingen. 2022. (58,00 €)

8. Weiteres

Ein Beitrag von Achim Doerfer in der Jüdischen Allgemeinen zum Thema „Sich als Opfer
ermächtigen“ – Deutsche Intellektuelle schwafeln über die angeblichen Lehren aus deutscher
Kriegserfahrung (vom 22.5.2022). Doerfer kritisiert u.a. Harald Welzer mit seiner Haltung zum
Ukraine-Krieg. Statt „nie wieder“ fordert er „nie wieder Wehrlosigkeit“
https://www.juedische-allgemeine.de/politik/sich-als-opfer-ermaechtigen

9. Braunschweig

– Sally Perel als Ehrenbürger der Stadt Braunschweig – Eintrag ins Goldene Buch
Sally Perel, der aus Peine bei Braunschweig stammt, wurde bekannt als „Hitlerjunge Salomon“. Als
Mitglied der Hitlerjugend konnte er seine jüdische Identität verbergen und die NS-Zeit überleben.
Seine ungewöhnliche Geschichte wurde unter dem Titel „Hitlerjunge Salomon“ verfilmt. Im Juni
2022 konnte er sich als Ehrenbürger der Stadt Braunschweig im Alter von 97 Jahren ins Goldene Buch
der Stadt eintragen. Inzwischen ist eine IGS in Braunschweig nach ihm benannt. Anhang 6

– Anbringung einer Tafel zum Sondergericht am Landgericht Braunschweig
Am 19.07.2022 stellte der Fritz Bauer Freundeskreis eine Anfrage an das Landgericht Braunschweig
bezüglich der Anbringung einer Tafel zum Sondergericht Braunschweig, das dort von 1933- 1945
untergebracht war und mit seiner Rechtsprechung wesentlich den Terror des NS-Regimes in
Braunschweig gestützt hat. Leider ist bisher auf die Anfrage noch keine Antwort gekommen.

– Die Gestapo in Braunschweig und das „Lager 21“ in SZ-Hallendorf
Das Thema „Gestapo in Braunschweig“ ist bisher noch wenig bekannt. An den Orten der Gestapo in
Braunschweig (Bohlweg 51/ Leopoldstraße 25) gibt es bisher keine Gedenktafeln. Auch das „Lager
21“, das als sogenanntes „Arbeitserziehungslager“ der Gestapo in Salzgitter-Hallendorf eingerichtet
wurde, ist weitgehend unbekannt. Dort wurden unter extremen Bedingungen in den Jahren 1940- 1945
etwa 28.000 Männer und 7000 Frauen untergebracht, von denen viele gefoltert oder ermordet wurden.
Heute ist das Gelände vom Wald überwachsen und nur wenige Betonreste erinnern an das ehemalige
Lager.- Inzwischen ist das Buch von Gerd Wysocki „Die Geheime Staatspolizei im Land
Braunschweig. Polizeirecht und Polizeipraxis im Nationalsozialismus“ (1997) in 2. Auflage neu
aufgelegt worden (2022). Es beschreibt die Arbeit der Gestapo und des Gestapolagers 21 sehr
eindrücklich und differenziert.

10. Fritz Bauer Freundeskreis

Das nächste Treffen des Fritz Bauer Freundeskreises ist am 28.11.2022 um 17 Uhr im DGB-Haus
Braunschweig, Wilhelmstraße 5. Anhang 7

Viele Grüße
Udo Dittmann