Fritz Bauer Info 4 2019

Liebe Interessenten des Fritz Bauer Freundeskreises,
anbei wieder einige aktuelle Infos zum Thema Fritz Bauer:
(Anlagen sind nur im Original Rundbrief beigefügt)

Im folgenden gibt es einige weitere Beiträge zum neuen Fritz Bauer Saal im Haus Gallus (Frankfurt) sowie Auszüge aus dem Buch von Bauer „Die Kriegsverbrecher vor Gericht“. Im Nov. 2019 wird eine neue Fritz Bauer Briefmarke erscheinen, auch dazu einige Infos In Frankreich ist ein neuer Dokumentarfilm zum Auschwitz-Prozess gedreht worden, in dem auch Bauer gewürdigt wird. Bei dem französischen Festival FIGRA wurde der Film im März 2019 als bester historischer Film ausgezeichnet.

Thema beim nächsten Treffen des Fritz Bauer Kreises in Braunschweig wird das genannte Buch von Bauer „Die Kriegsverbrecher vor Gericht“ sein sowie ein  Interview mit Bauer aus dem Jahr 1967 mit dem Titel „Als Sie noch jung waren“.

Zum neuen „Fritz Bauer Saal“ im Haus Gallus (Frankfurt)
Der große Saal im Haus Gallus in Frankfurt war am 7.3.2019 in „Fritz Bauer Saal“ umbenannt worden. Hier fand von April 1964- August 1965 der Auschwitz-Prozess statt. Hier noch einige weitere Beiträge zur „Saalbenennung“ und Zeitzeugenberichte vom Auschwitz-Prozess von Kurt Nelhiebel aus dem Frankfurter Kulturmagazin „Weltexpresso“ vom März 2019.

https://weltexpresso.de/index.php/zeitgesehen/15496-grosser-saal-im-saalbau-gallus-heisst-jetzt-fritz-bauer-saal

https://weltexpresso.de/index.php/zeitgesehen/15498-nachgetragene-liebe

https://weltexpresso.de/index.php/zeitgesehen/15515-kein-wort-des-bedauerns

https://weltexpresso.de/index.php/zeitgesehen/15532-zeitweise-staette-des-grauens

  1. Fritz Bauer: Die Kriegsverbrecher vor Gericht (1945)
    Schon in den „Kleinen Schriften“ beschäftigt sich Fritz Bauer in den Jahren 1944/ 45  mit dem Thema der Bestrafung von Kriegsverbrechern. 1945 erscheint dazu sein Buch „Die Kriegsverbrecher vor Gericht“ 1945 in Zürich in deutscher Sprache. In bemerkenswert sachlicher und umfassender Weise beschäftigt sich Bauer mit der Thematik. Das Buch hatte Auswirkungen auf die Nürnberger Prozesse, nicht zuletzt durch Robert M.W. Kempner, einem der Hauptankläger in Nürnberg, der später  mit Bauer befreundet war und eine bedeutende Rede zu dessen Tode hielt.
    Leider gibt es das Buch nicht mehr, auch nicht antiquarisch (z.B. über Amazon)., wobei es durchaus aktuell und auch lesenswert ist. Es könnte ein Klassiker in der Literatur zu Kriegsverbrechen und ihrer justiziellen Aufarbeitung sein. Vielleicht wird es eines Tages wieder neu aufgelegt. Ein Exemplar fand sich in Braunschweig im Georg Eckert Institut (Institut für internationale Schulbuchforschung). Aber auch da war es nicht sehr bekannt. –
    Hier nun die Einleitung als kleine Leseprobe im Anhang. Weitere Teile sollen folgen.
  1. Eine neue Fritz-Bauer-Briefmarke erscheint im November 2019
    Zur großen Überraschung wird es nun doch eine Fritz Bauer Briefmarke geben. Insgesamt hatte es schon drei Anträge gegeben (2003 von der Humanistischen Union, dann 2014 und 2016 von Fritz Bauer Freundeskreis). Immer war es abgelehnt worden, wahrscheinlich war Fritz Bauer nicht bekannt genug. Dann hatte es schließlich über den brandenburgischen Generalstaatsanwalt Erardo C. Rautenberg 2017 eine „individuelle“ Briefmarke bei der Post gegeben, die der bekannte Graphiker Klaus Staeck entworfen hatte. Im Rundbrief wurde jeweils darüber berichtet. Im Anhang nun ein kleiner Bericht über die Entstehungsgeschichte der Briefmarke, die ganz wesentlich auf die Filmemacherin Ilona Ziok zurückgeht.
    Angaben zur neuen Bauer-Briefmarke findet man auf der Webseite der Post unter  www.deutschepost.de (dort in der Zeitschrift „Postfrisch“, Ausgabe 2/ 2019, S. 26). Es wird eine 85 Cent-Briefmarke sein.
  1. Neuer Dokumentarfilm zum Auschwitz-Prozess in Frankreich – mit Würdigung von Fritz
    Bauer (2017) –  von Barbara Necek
    Der Film erhielt im März 2019 den Preis für den besten historischen Film auf dem französischen Festival FIGRA
    Nun ist auch ein Film in Frankreich zum Auschwitz-Prozess (in französischer Sprache) gedreht worden. Auf dem französischen Festival FIGRA erhielt er am 23. März 2019 den Preis für den besten historischen Film. Die Jury hat vor allem die Qualität der Interviews hervorgehoben. Gedreht wurde der Film von der französischen Filmemacherin Barbara Necek.
    In „Le Monde“ ist zum Film ein Beitrag erschienen.
    https://www.lemonde.fr/culture/article/2019/03/17/le-proces-d-auschwitz-la-fin-du-silence-francfort-1963-la-justice-contre-l-amnesie_5437345_3246.html

Der Film selbst ist auf YouTube zu sehen unter
https://www.youtube.com/watch?v=J1ZHbZKBQjI&feature=youtu.be

  1. Fritz Bauer Institut

Im April/ Mai 2019 gibt es verschiedene Vorträge zu NS-Themen im Fritz Bauer Institut.
– 17.04.: „Mörderische Zwangsarbeit. Das KZ-Außenlager Katzbach“  – mit Dr.Andrea.Rudorff
– 24.04.: „Die SA. Eine neue Geschichte von Hitlers Braunhemden“ – Prof.Dr.Daniel Siemens
–  8.05: „Die Rettung der Juden. Hilfe für Juden im ‚Dritten Reich’ aus unterschiedlichen zeitlichen Blickwinkeln“ – Prof. Dr. Mark Rosemans
– 22.05.: „Arolsen Archives“ mit Floriane Azoulay und Dr. Henning Burggräfe
www.fritz-bauer-institut.de

  1. Fritz Bauer Archiv (Irmtrud Wojak)
    Grundlegende Informationen zu Fritz Bauer sind auf der Webseite der Biographin von Fritz Bauer, Irmtrud Wojak, zu finden.
    https://www.fritz-bauer-archiv.de
  1. Julien Reitzenstein: Fritz Bauers letzter Fall – neue kontroverse Beiträge zu dessen Buch über die Straßburger Schädelsammlung in der FAZ und NZZ
    In der FAZ erschien am 20.02.2019 ein Bericht von Hans-Joachim Lang, in dem er sich kritisch mit der Forschung von Julien Reitzenstein zur Straßburger Schädelsammlung auseinandersetzt: „Eine Schädelstätte moderner Forschung“.
    https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/ns-medizinverbrechen-strassburg-schaedelstaette-moderner-forschung-16048248.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0
    Am 7.03.2019 antwortet Reitzenstein in der NZZ mit dem Artikel „Schmerzhafte Zerstörung von Legenden“.
    https://www.nzz.ch/feuilleton/strassburger-schaedelsammlung-wie-umgehen-mit-ns-verbrechen-ld.1464696Im Fall der Straßburger Schädelsammlung hatte Fritz Bauer kurz vor seinem Tod – am 8.Mai 1968 – die Anklage erhoben, gegen den Anthropologen Beger u.a. Der letzte der „Euthanasie“- Prozesse von Bauer musste deshalb unterbrochen werden.
    Am 10.April 2019 hielt Julien Reitzenstein einen Vortrag über sein Buch „Himmlers Forscher. – Wehrwissenschaft und Medizinverbrechen im ‚Ahnenerbe’ der SS“ im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. 
  1. Dieter Schenk: Szenische Lesung zu Bauer und ein Theaterstück über ein NS-Verfahren
    – Di, 30.April 2019, um 19.30 Uhr  in Marburg  (Synagoge, Liebigstraße 21a)„Generalstaatsanwalt Fritz Bauer im Widerstreit politischer Interessen“ – Ein fiktives Interview – Szenische Lesung mit musikalischer Begleitung.  Text von Dieter Schenk. – Fr, 10.Mai 2019, um 20 Uhr   in Bad Hersfeld (Buchcafé)
    „Die Justizsprecherin“ – Ein Ein-Personen-Theaterstück mit Marie-Therese Futterknecht, Trägerin des Großen Hersfeld-Preises 2014. Text von Dieter Schenk.
    Es geht um eine Mordanklage gegen Oskar Christ, der 1942 an der Vernichtung von Juden in Charkow beteiligt war. Durch juristische Trick-Verfahren wurde Christ außer Verfolgung gesetzt. Verteidiger in dem Prozess war Hans Laternser, der auch Angeklagte m Auschwitz-Prozess verteidigt hatte. – Bekannt wurde Laternser u.a. durch seine These im Auschwitz-Prozess, dass die Selektion an der Rampe von Auschwitz nicht der Vernichtung, sondern der Lebensrettung gedient hätte. Diese zynische Ansicht führte er auch in seinem Buch „Die andere Seite im Auschwitz-Prozess 1963- 65“ aus. – Dieter Schenk ist Autor des Buches „Die braunen Wurzeln des BKA“ (2001).
    http://www.dieter-schenk.info/index.html
  1. Loccum: Opferrechte im Strafverfahren auf dem Prüfstand
    – 10.- 12.Mai 2019 Tagung in der Evangelischen Akademie Loccum mit dem Titel „Opferrechte im Strafverfahren auf dem Prüfstand“. In Kooperation mit dem Arbeitskreis „Strafjustiz in Niedersachsen“ http://www.loccum.de/programm/p1922.html
  1. NS-„Euthanasie“
    – 10.-12.Mai 2019 –  Hadamar Frühjahrstagung des Arbeitskreises zur Erforschung der NS-‚Euthanasie’ und Zwangssterilisation in der Gedenkstätte Hadamar https://www.ak-ns-euthanasie.de/wp-content/uploads/2018/08/Hadamar_2019.pdf– Do, 27.- Sa,29.Juni 2019 – Hadamar „Der nationalsozialistische Krankenmord in Europa“ . Internationale Tagung des Fritz Bauer Institutes in Kooperation mit der Gedenkstätte Hadamar
    https://www.fritz-bauer-institut.de/veranstaltungen?tx_news_pi1%5B%40widget_0%5D%5BcurrentPage%5D=2&cHash=89594588d953d98fb7959341c996b3ae

    – Fr, 28.Juni 2019, um 17.30 Uhr – Frankfurt „Ernst Klee (1942- 2013). Ein Pionier der medizinischen Zeitgeschichte.“ Vortrag von Prof. Dr. Walter Pehle. (www.fritz-bauer-institut.de ) Keynote zur Tagung „Der NS-Krankenmord in Europa“
    – Mi, 3.- 5.Juli 2019 –   Wien „Die Utopie des ‚gesunden Volkskörpers’. Geschlossene Anstalten, ‚Erb- und Rassenhygiene’, NS- Euthanasie“. 29. Internationale Sommerakademie des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs. Im Volkskundemuseum Wien.
    http://www.injoest.ac.at/de/aktuelles/cfp-sommerakademie-2019

  1. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus
    Literatur zum Thema Nationalsozialismus der Europäischen Verlagsanstalt, u.a. mit dem Klassiker von Franz Neumann: Behemoth (neu herausgegeben von A. Söllner und M.Wildt)
    – „Der Unstaat. Franz Neumanns Buch ‚Behemoth’, erstmals 1942 erschienen, diente dem Krieg gegen Nazideutschland. Seine klassische Analyse des Regimes blieb aktuell.“ Von Götz Aly,  SZ 23.05.2018 https://www.sueddeutsche.de/kultur/politikwissenschaft-der-unstaat-1.3989878

    – „Das Monster“ – Die erste Gesamtdarstellung Hitler-Deutschlands aus Emigranten-Feder, das monumentale Werk von Franz Neumann wurde neu aufgelegt. Von Detlev Claussen, TAZ, 10.10.2018
    http://www.taz.de/!5537996

  1. Fritz Bauer Freundeskreis
    Das nächste Treffen des Fritz Bauer Freundeskreises ist am Montag, den 27.05.2019, um 17 Uhr im DGB-Haus, Braunschweig, Wilhelmstraße 5.
    Thema ist das Buch von Fritz Bauer „Die Kriegsverbrecher vor Gericht“ (1945). Außerdem wird der Film „Als Sie noch jung waren.“ (Ein Interview mit Fritz Bauer, 11.8.1967) gezeigt.

www.fritz-bauer-freundeskreis.de

Viele Grüße

Udo Dittmann