26.05.2026
Liebe Interessierte des Fritz Bauer Freundeskreises,
anbei wieder einige aktuelle Informationen zum Thema Fritz Bauer:
- Christoph Schneider: Das Schlegelberger-Verfahren von Fritz Bauer (1965)
Am Montag, den 1.06.2026, um 17 Uhr wird Christoph Schneider (Frankfurt) einen Vortrag im Fritz Bauer Freundeskreis halten zum Thema „Das Schlegelberger-Verfahren von Fritz Bauer – der Versuch, hohe Juristen zur Rechenschaft zu ziehen“. Veranstaltungsort ist das DGB-Haus Braunschweig, Wilhelmstraße 5. Anhang 1
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem DGB Braunschweig.
Am 22.April 1965 legte Fritz Bauer eine Anschuldigungsschrift gegen die ehemaligen Generalstaatsanwälte und Oberlandesgerichtspräsidenten vor, die auf einer Konferenz im April 1941 den Maßnahmen der „Euthanasie“ zugestimmt hatten. Das Verfahren wurde nach Bauers Tod 1970 eingestellt, durch einen kritischen Aufsatz von Helmut Kramer im Jahr 1984 geriet das Verfahren plötzlich wieder in den Blick der Öffentlichkeit. Anhang 1a
Christoph Schneider arbeitet in Frankfurt am Main als freier Autor und Kulturwissenschaftler. 2017 erschien sein Buch über das Schlegelberger-Verfahren mit dem Titel „Diener des Rechts und der Vernichtung. Das Verfahren gegen die Teilnehmer der Konferenz von 1941 oder: Die Justiz gegen Fritz Bauer“.
- Fritz Bauer: Die Kriegsverbrecher vor Gericht (Neuerscheinung)
Noch im Exil in Schweden verfasste Bauer das Buch „Die Kriegsverbrecher vor Gericht“, das 1945 auf dem deutschen Markt erschien. Die Neuausgabe des Buches mit einem Vorwort von Joachim Rückert sollte bereits ab 6.1.2026 lieferbar sein, verzögert sich aber wieder. Der voraussichtliche Liefertermin ist nun der 22.07.2026.
https://www.wallstein-verlag.de/9783835357167-die-kriegsverbrecher-vor-gericht.html
- Werner Renz: Fritz Bauers Kritik am überkommenden Sexualstrafrecht (Aufsatz)
Am 8. Juni 2016 hielt Werner Renz in Berlin als „Queer Lecture“ einen Vortrag mit dem Thema „Wider die Sittenwächter. Fritz Bauers Kritik am überkommenden Sexualstrafrecht der 1950er und 1960er Jahre.“ Während Fritz Bauer im Strafrecht mit seinen deterministischen Positionen eher isoliert war, wies seine Kritik am damaligen Sexualstrafrecht sehr fortschrittliche Züge auf.
Hier eine schriftliche Fassung des Vortrages. Der Autor war als Archivar am Fritz Bauer Institut tätig und ist inzwischen im Ruhestand. Der sehr fundierte Text ist lesenswert. Seine geäußerte Kritik an der Bauer-Biographie von Irmtrud Wojak erscheint jedoch nicht gerechtfertigt. Gerade diese Biographie war eine Pionierarbeit, die wesentlich zur Wiederentdeckung von Bauer beigetragen hat. Anhang 2
- Eine KI-generierte Bauer-Doku – mit zweifelhaftem Erkenntniswert
Inzwischen gibt es auf Youtube eine neue Bauer-Doku mit dem Titel „Eichmann, Auschwitz, Tod in der Badewanne“ von einem „Friedrich“ in der Reihe „Verlorene Zeit“. Gesprochen mit einer eindringlichen, empathielosen Computerstimme, mit zahllosen, willkürlich zusammengestellten (und teilweise falschen) Bildern und weiteren zahlreichen Fehlern (Remer schlug nicht am 20. Juli 1940! den Aufstand nieder/ der Auschwitz-Prozess startete nicht am 20.Dez. 1964/ es gibt keine Fritz Bauer Schule in der Nähe des Bahnhofs in Frankfurt usw.) wird ein scheinbares Wissen vermittelt, das wenig hilfreich ist.
Es ist sicher ein Problem, wenn gerade junge Menschen mit solchem vordergründigen Halbwissen konfrontiert werden. Viele werden es wahrscheinlich für wahr halten. Die Notwendigkeit einer eigenen sorgfältigen Recherche erscheint umso wichtiger. KI kann uns letztlich nicht das eigene Denken abnehmen.
Hier der Link: https://youtu.be/Pfre54Ns1Oc?si=2myorHDyqq3uOidl
Inzwischen gibt es weitere Computerfilme auf Yotube zu Fritz Bauer mit unterschiedlicher Qualität. Es wird eine vollkommene neue Aufgabe sein, sich mit dieser Art von Information auseinanderzusetzen. Ein Beispiel dieser Art ist der KI-Film „Fritz Bauer gegen Adenauer. Der Mann, der Deutschland zur Wahrheit zwang“. Mit konstruiertem Bildmaterial, aber durchaus interessanten Fragestellungen…
https://www.youtube.com/watch?v=4RLoqS1Ruzg
- Fritz Bauer Institut (Frankfurt)
Sa, 23.Mai 2026, um 15 Uhr
„Fritz Bauer und das Grundgesetz. Eine Annäherung“. Vortrag von Dr. Katharina Rauschenberger.
Ort: Saalbau Gallus, Fritz Bauer Saal, Frankenallee 111. Frankfurt am Main
Mi, 17.Juni 2026, um 18.15 Uhr – hybrid
„Von der ‚Auflösung in Episoden‘. Fritz Bauers Strafrechtskritik angesichts der Dimension der Massenverbrechen“. Vortrag von Prof. Dr. Lena Foljanty.
Ort: Goethe-Universität Frankfurt am Main. Campus Westend. Casino-Gebäude. Raum 1.811
Livestream auf YouTube: youtu.be/B4WWwELO-Gc
Infos unter: https://www.fritz-bauer-institut.de/veranstaltungen
- Sonderausstellung „Fritz Bauer – Die Prozesse“ in Stuttgart
In Stuttgart gab es vor einem Jahr eine Sonderausstellung über „Fritz Bauer – Die Prozesse“, die im Stadtpalais Stuttgart vom 31.01.- 27.04.2025 zu sehen war. Die Ausstellung soll hier wenigstens kurz erwähnt werden.
https://www.stadtpalais-stuttgart.de/ausstellungen/fritz-bauer-die-prozesse
Auch das ehemalige Gymnasium von Bauer in Stuttgart, das „Ebelu“ wurde in diesem Zusammenhang mehrfach genannt.
https://ebelu.de/news-termine/schulnews/fritz-bauer-ausstellung-im-stadt-palais
- Frankfurt
– Hessens Justizminister erinnert an Fritz Bauers Eintritt in den Landesdienst vor 70 Jahren
Am 1.April 1956 begann Fritz Bauer seine Tätigkeit als Generalstaatsanwalt in Frankfurt. In der lokalen Presse wurde mehrfach darauf hingewiesen und seine Verdienste gewürdigt.
„Erinnerung an Fritz Bauer“ Frankfurter Rundschau, 2.04.2026 Anhang 3
„Den Rechtsstaat maßgeblich geformt. Hessens Justizminister erinnert an Fritz Bauers Eintritt in den Landesdienst vor 70 Jahren“, Frankfurter Neue Presse, 2.4.2026 Anhang 4
Dazu auch eine Pressemitteilung des Hessischen Justizministeriums
https://justizministerium.hessen.de/presse/fritz-bauer-hat-den-deutschen-rechtsstaat-geformt
Auch in Braunschweig hatte Fritz Bauer offiziell am 1.4.seine Arbeit begonnen. Er erhielt seine Ernennungsurkunde dort am 12.April 1949, die aber auf den 1.April rückdatiert wurde. Die Verzögerung hing damit zusammen, dass sich seine Ankunft in Braunschweig verspätet hatte (siehe Wojak: Fritz Bauer – Eine Biographie. 2009. S.231).
– Ausstellung zum Auschwitz-Prozess kann ausgeliehen werden
Eine Gruppe von Frankfurter Studierenden hatte eine Ausstellung zum Auschwitz-Prozess konzipiert,
die jederzeit ausgeliehen werden kann. Transport und Aufstellung wird von Frankfurt aus unterstützt. Nähere Infos sind erhältlich bei Dieter Wesp dieterwesp@gmx.de (Stadthistoriker und Mitglied im Förderverein des Fritz Bauer Institutes)
– Der Frankfurter Bahnhofsvorplatz heißt jetzt „Emilie-und-Oskar-Schindler-Platz“
Am 27.April 2025 wurde der bisher namenlose Vorplatz am Frankfurter Hauptbahnhof in „Emilie-und Oskar-Schindler-Platz“ umbenannt.
https://www.hessenschau.de/gesellschaft/frankfurt-benennt-bahnhofsvorplatz-nach-emilie-und-oskar-schindler-v1,frankfurt-schindler-platz-bahnhofsvorplatz-100.html
- Fritz Bauer Forum (Bochum)
– Die Handbibliothek von Dr. Helmut Kramer zieht nach Bochum
Helmut Kramer war seit 1980 eine der wichtigen Personen zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen, u.a. im Raum Braunschweig/ Wolfenbüttel. In den 1990er Jahren war er einer der Mitbegründer des Forum Justizgeschichte. Die erste Tagung des Fritz Bauer Institutes zur NS-Euthanasie (1994) wurde von ihm maßgeblich angestoßen.
Durch die gute Zusammenarbeit mit der Bauer-Biographin Irmtrud Wojak, die in Bochum die Buxus-Stiftung mit dem Fritz Bauer Archiv gegründet hat, wird seine Handbibliothek dem dortigen Fritz Bauer Forum zur Verfügung gestellt. Im April trafen die Bücher in 122 Kisten in Bochum ein.
Das 1980 umfassende Gesamtverzeichnis mit 800 Personendaten und Personalakten sowie 235 Sachkarteien wird demnächst übernommen und digitalisiert.
https://fritz-bauer-forum.de/de/blog/beitrag/handbibliothek-von-dr-helmut-kramer-zieht-nach-bochum/#0
Anbei ein Link zur Büchersuche (bisher mit 82 Titeln):
https://fritz-bauer.bibliotheca-open.de/de-de/Mediensuche/Einfache-Suche?searchhash=OCLC_e85cbd383ab27f03684d198be670b99c98c07ae5&module=3&focusModule=extendedsearchmodule
- Humanistische Union – Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V.
– Vorstellung des Grundrechte-Reports 2026 durch Herta Däubler-Gmelin (Bundesjustizministerin a.D.) in Karlsruhe
Am Do, 21.Mai 2026, wurde in Karlsruhe der Grundrechts-Report 2026 des „Komitees für Grundrechte und Demokratie e.V.“ von der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin vorgestellt. Der Report erscheint seit 30 Jahren, in diesem Jahr mit einer Jubiläumsausgabe.
https://www.fiff.de/veranstaltungen/grundrechtereport2026
- Ingo Müller: Die Vernichtung progressiver Juristen durch den Nationalsozialismus
Am Di, 12. Mai 2026, hielt Ingo Müller in Berlin einen Vortrag über „Die Vernichtung progressiver Juristen durch den Nationalsozialismus“. Ingo Müller wurde bekannt durch sein Buch „Furchtbare Juristen – Die unbewältigte Vergangenheit der deutschen Justiz“ (1987), das weit über die Fachpresse hinaus Aufsehen erregt hat. Veranstalter waren der Republikanische AnwältInnenverein (RAV) und die Rechtsanwaltskammer Berlin.
https://www.rav.de/publikationen/mitteilungen/mitteilung/die-vernichtung-progressiver-juristen-durch-den-ns-und-der-damit-verbundene-verlust-der-rechtskultur-in-der-nachkriegszeit-1247
- Alexander Kluge im Alter von 94 Jahren gestorben (März 2026)
Alexander Kluge ist einer der Vorreiter des Neuen deutschen Films. In einem seiner ersten Filme (Abschied von gestern) tritt Fritz Bauer als Schauspieler auf und spielt sich selbst. Der Film ist zu sehen auf Youtube unter https://www.youtube.com/watch?v=EhOrizrkNyE
Im Jahr 2013 gab er ein Buch zu Fritz Bauer heraus: „Wer ein Wort des Trostes spricht, ist ein Verräter“. – 48 Geschichten für Fritz Bauer (Suhrkamp Verlag).
https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_101187722/alexander-kluge-ist-tot-einflussreicher-filmemacher-wurde-94-jahre-alt.html
- NS-„Euthanasie“
– Die Herbsttagung 2026 des „Arbeitskreises zur Erforschung der NS-‚Euthanasie“ und Zwangssterilisation“ findet vom 30.Okt.-2.Nov. 2026 in Berlin (in der Vertretung des Landes Bremen) statt. Info unter: www.ak-ns-euthanasie.de
– Zur Frühjahrstagung des AK in Mosbach vom 17.4.- 19.4.2026
Richard Lallathin: Kurt Rother – Annäherung an eine bedeutende Persönlichkeit in der Behindertenarbeit der Nachkriegszeit mit nationalsozialistischer Vergangenheit. (Vortrag, 2023)
Kurt Rother war von 1964- 1982 Vorstandsvorsitzender der Johannes-Diakonie in Mosbach, die unter seiner Leitung zu einem der großen und modernen Rehabilitationszentren in der Bundesrepublik wurde.
Als es 2013 darum ging, eine Fachschule für Sozialwesen nach ihm zu benennen, wurden Nachforschungen über seine Vergangenheit angestellt. Eine schwierige Spurensuche mit NS-Vergangenheit. – Letztlich wurde die Schule nicht nach ihm benannt. Anhang 5
– Ernst Klee: Die Hölle von Ueckermünde (Doku zur Behindertenarbeit)
Ernst Klee hat nicht nur Standardwerke zur NS-„Euthanasie“ herausgegeben, sondern auch einige Filme zu dem Thema gedreht, die im Fernsehen gezeigt wurden. Die Heftigkeit seiner Aufnahmen war immer wieder Anlass zur Diskussion. Hier ein Link zu seinem TV-Film „Die Hölle von Ueckemünde“
https://youtu.be/bzKvfzscxWg?si=_WL4tC0JaQQjqDSM
Dazu ein Beitrag von Christoph Schneider über die Diskussion zu Ernst Klees Filmen auf einer Tagung zum 2. Todestag von Ernst Klee im Fritz Bauer Institut.
https://vernunft-und-schwaeche.copyriot.com/fragen-im-anschluss-an-die-nazi-bildverwendung-in-filmen-von-ernst-klee/
- Braunschweig
Do, 9.9.2026 – Film im Kino Universum
„Die Strafdivision 999“. Ein Film von Kostas Stamatopoulos.
Der Film zeigt die Geschichte der Strafdivision 999 in Griechenland im 2.Weltkrieg, in der u.a der Braunschweiger Hermann Bode Widerstand geleistet hat. Dazu ein Trailer sowie eine kurze Filminformation. Mit Infos auch von dessen Enkeltochter Heidi Galonska.
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=8oveKh-nrn8
Kurzinformation: https://www.griechenlandsolikiel.de/?p=2272
Zu Hermann Bode auch Infos bei Helmut Kramer:
https://www.kramerwf.de/kriegsverrat/hermann-bode
- Fritz Bauer Freundeskreis
– Mo, 1.06.2026, um 17 Uhr im DGB-Haus, Braunschweig, Wilhelm Str.5
„Das Schlegelberger-Verfahren von Fritz Bauer. Der Versuch, hohe Juristen zur Verantwortung zu ziehen“. Vortrag von Christoph Schneider (Frankfurt). Anhang 1
Info auf Instagram: fbfreundeskreis
– Mo, 27.07. 2026, um 17 Uhr im DGB-Haus, Braunschweig, Wilhelmsztr.5
„Fritz Bauer – Die Wurzeln faschistischen und nationalsozialistischen Handelns“. Vortrag und Gespräch mit Udo Dittmann Anhang 6
Beide Veranstaltungen in Kooperation mit dem DGB- SON
Werner Renz: Fritz Bauer und Thomas Harlan. Eine Freundschaft im Schatten einer unbewältigten Vergangenheit. – Schriftliche Fassung des Vortrages von Werner Renz im Fritz Bauer Freundeskreis am 30. März 2026 im DGB-Haus Braunschweig. Anhang 7
Viele Grüße
Udo Dittmann
www.fritz-bauer-freundeskreis.de