Infos zu Fritz Bauer Januar 2026

Liebe Mitglieder und Interessierte des Fritz Bauer Freundeskreises,
anbei wieder einige aktuelle Infos zum Thema Fritz Bauer und NS-Euthanasie.

  1. Herta Däubler-Gmelin: Fritz Bauer – Jurist und Sozialdemokrat
    Am 26. Januar 2026 hält Herta Däubler-Gmelin, Bundesjustizministerin a.D. in Braunschweig im Fritz Bauer Freundeskreis einen Vortrag mit dem Titel „Fritz Bauer – Jurist und Sozialdemokrat. Bahnbrecher für unsere rechtsstaatliche Demokratie“. Die Veranstaltung ist im DGB-Haus, Braunschweig, Wilhelmstr.5 und beginnt um 17 Uhr.
    Kooperationspartner der Veranstaltung ist die Rosenbaum-Stiftung Braunschweig.                Anhang 1
    Hinweis: Während der Veranstaltung werden Filmaufnahmen gemacht. –                                                              Herta Däubler-Gmelin hatte Fritz Bauer noch während ihres Studiums in Berlin kennengelernt und ihn mit anderen Studierenden zu einem Vortrag eingeladen. In zahlreichen Vorträgen und Texten hatte sie auf die Bedeutung von Bauer und seine Aktualität hingewiesen. Hier ein aktueller Text von ihr aus der Zeitschrift spw vom 5.12.2025 sowie Angaben zur Biographie im Anhang.                             Anhang 2                                            https://www.spw.de/fritz-bauer-sozialdemokrat-und-rechtspolitiker/
  1. Katharina Rauschenberger: Rezension zu dem Buch über Fritz Bauer
    von Jack Fairweather „The Prosecutor. One Man’s Battle to Bring Nazis to Justice“
    Das Buch von Jack Fairweather über Fritz Bauer ist bisher nur in englischer Sprache erschienen (in Penguin Random House UK, Dublin, 2025). Es ist eine zweite Biographie über Bauer von einem Journalisten, kurzweilig geschrieben und mit vielen neuen Quellen. Allerdings sieht Katharina Rauschenberger manches dabei durchaus kritisch: „Fairweather ordnet die Biographie Bauers nach Skandalen, Schlüfrigem und Drastischem und zieht dazu Quellen nach Belieben heran.“
    Die Rezension ist vollständig zu lesen im aktuellen Bulletin des Fritz Bauer Institutes (Einsicht 2025) auf S. 85 „Das Vetorecht der Quellen“
    https://www.fritz-bauer-institut.de/fileadmin/editorial/publikationen/einsicht/Einsicht-2025.pdf
  1. Gerd Biegel: Fritz Bauer und die Justitia von Bodo Kampmann
    An der Entstehung der Kunstfigur der Justitia in Braunschweig hatte Fritz Bauer großes Interesse gezeigt. Mehrfach war er in der damaligen Kunstwerkstatt, um den Prozess der Entstehung zu begleiten. Über den Künstler Bodo Kampmann, der aus einer Berliner Künstlerfamilie stammt, ist nun ein neues Buch von Bärbel Mäkeler erschienen: Bodo Kampmann – Ein Künstlerleben in Braunschweig. 2025
    http://www.text-support.de/das-buch/
    Dazu ein Beitrag von Prof. Gerd Biegel vom Institut der Braunschweigischen Regional-geschichte über Fritz Bauer und die Bedeutung der Justitia von Bodo Kampmann.- Das Markante dieser Justitia war, dass sie ohne Augenbinde und Schwert das Richteramt eher als das eines Schlichters, nicht als das eines Henkers symbolisiert.                             Anhang 3
  1. Der neue Fritz Bauer Platz in Heidelberg ist in Arbeit
    In Heidelberg wurde am 20. Juli 2022 beschlossen, den neuen Platz am Justizgebäude in der Weststadt nach Fritz Bauer zu benennen. Ganz einfach war die weitere Umsetzung zunächst nicht, da der Siegerentwurf des Büros Bierbaum-Aichele von den Grünen kritisiert wurde, da dort nicht genug Grün eingeplant sei. Man könne auch auf die Tiefgarage darunter verzichten. Schließlich kam der Entwurf doch durch, allerdings mit mehr Grün. Inzwischen wird dort gebaut. Hier auf dem Foto ist ein Bild des zukünftigen Platzes zu sehen – aufgenommen am Bauzaun des Geländes.                Anhang 4                                  https://www.rnz.de/region/heidelberg_artikel,-Heidelberg-Der-Platz-auf-dem-alten-Bauhaus-Areal-soll-etwas-mehr-Gruen-bekommen-_arid,916780.html
  1. Ronen Steinke: Fritz Bauer – Jurist im Dienste der Humanität (BMJ 2025)
    Der Bereich NS-Euthanasie ist dabei – wie meist bei Steinke – ausgeklammert
    Am 1. Juli 2025 ist von dem Journalisten und Bauer-Biograph Ronen Steinke eine Broschüre über Fritz Bauer mit einem Vorwort der neuen Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig erschienen, die von dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz herausgegeben wurde –.
    In der Broschüre werden die großen „Lebensthemen“ von Bauer dargestellt: Die Ergreifung Eichmann, der Auschwitz-Prozess, der Remer-Prozess, das Strafrecht und das jüdische Leben in der jungen BRD. Der größte Komplex, mit dem Bauer sich beschäftigt hat, die NS-Euthanasie (jedenfalls was den Aktenumfang betrifft), ist bei Ronen Steinke gar nicht erwähnt. Das ist schade, weil Steinke somit kein vollständiges Bild von Bauer vermittelt. Die Broschüre kann über die Webseite des BMJ kostenlos bestellt oder als Download heruntergeladen werden.
  1. Fritz Bauer: Die Kriegsverbrecher vor Gericht (Neuerscheinung)
    Noch im Exil in Schweden verfasste Bauer das Buch „Die Kriegsverbrecher vor Gericht“, das 1945 auf dem deutschen Markt erschien. Die Neuausgabe des Buches mit einem Vorwort von Joachim Rückert sollte ab 6.1.2026 lieferbar sein, verzögert sich aber noch etwas. Der voraussichtliche Liefertermin ist der 4.3.2026, wie der Wallstein Verlag mitteilt.
    https://www.wallstein-verlag.de/9783835357167-die-kriegsverbrecher-vor-gericht.html
  1. Fritz Bauer Institut (Frankfurt)
    – Mi, 21.01.2026, um 18.15 Uhr
    „Nicht alles ist erlaubt, nicht alles ist verboten“. Die deutsch-israelischen Beziehungen in den Geisteswissenschaften (1950- 1990). – Buchvorstellung mit Dr. Irene Aue-Ben-David, Dr. Silja Behre und Dr. Sharon Livne
    – Mi, 28.01.2026, um 18.15 Uhr
    „Der vergessene Widerstand“. Jüdinnen und Juden im Kampf gegen den Holocaust. – Vortrag von Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt
    Nähere Infos unter https://www.fritz-bauer-institut.de/veranstaltungen
  1. Filmmuseum Potsdam: Ausstellung zur Ergreifung Eichmanns
    How to catch a Nazi – Operation Finale. Die Ergreifung und der Prozess von Adolf Eichmann.
    Im Filmmuseum Potsdam wird unter diesem Titel eine Ausstellung noch bis zum 1.02.2026 gezeigt.
    Dazu ein Vortrag am Do, 22.01.2026: Spannender Film – spannende Ausstellung? von Dr. Ariane Karbe
    https://www.filmmuseum-potsdam.de/how-to-catch-a_nazi.html
    Buchhinweis:
    Dirk Stolper: Eichmanns Anwalt. Robert Servatius als Verteidiger in NS-Strafverfahren. 2025.
    https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/geschichte/eichmanns_anwalt-17483.html
    Der Kölner Rechtsanwalt Robert Servatius erlangte 1961 weltweite Bekanntheit, als er Eichmann im Prozess in Jerusalem verteidigte. Die Studie von Stolper „erlaubt einen kritischen Blick auf diesen Strafverteidiger, der dessen Selbstinszenierungen durchschaut, ohne ihn vorzuführen“. (FAZ)
  1. Reinhard Strecker erhält „Goldene Ehrennadel“ der Freien Universität Berlin
    Für seine Verdienste erhält der inzwischen 95jährige Reinhard Strecker nun auch die „Goldene Ehrennadel“ der FU Berlin. Im Jahr 1959 hatte er die Ausstellung „Ungesühnte Nazi-Justiz“ organisiert, die für großes Aufsehen gesorgt hatte. Es hatte lange gedauert, bis die Verdienste von Strecker gewürdigt wurden. So hatte er schließlich nach langem Vergessen 2015 den Bundesverdienstorden bekommen.
    https://www.fu-berlin.de/campusleben/forschen/2024/240419-tsp-strecker/index.html
  1. NS-„Euthanasie“
    – Bericht zur Herbsttagung des Arbeitskreises zur Erforschung der NS-„Euthanasie“ und Zwangssterilisation in Wehnen (Oldenburg) vom 7.- 9. 11. 2025                                           Anhang 5
    Die Gedenkstätte Wehnen bittet den Arbeitskreis um Unterstützung, da die Gedenkstätte erweitert werden soll und eine weitere Kraft eingestellt werden könnte.
    Im Weiteren ein Text von Ingo Harms über Karl Jasperrs, der jetzt Namensträger der Klinik in Wehnen isr. Der bekannte Philosoph und Psychiater Jarl Jaspers wurde in Oldenburg geboren. In den 1990er Jahren kam es zu einer Debatte über die Rolle von Jaspers bei der Aufarbeitung der NS-„Euthanasie“. Während er früh die Arbeiten von Mitscherlich zu den Medizinverbrechen unterstützte, riet er andererseits 1947 von der Publizierung eines Forschungsberichtes zur NS-„Euthanasie“ ab. Ingo Harms beschreibt den derzeitigen Stand der Diskussion. Der Beitrag mit dem Titel „Karl Jaspers und die NS-Psychiatrie“ erschien 2023 in der Zeitschrift für Sozialpädagogik.                                          Anhang 6

– Frühjahrstagung des „Arbeitskreises zur Erforschung der NS-‚Euthanasie‘ und Zwangssterilisation“ in Mosbach (Württemberg) vom 17.- 19. April 2026
Weitere Infos zur Tagung sowie zur Anmeldung sind zu finden auf der Webseite des Arbeitskreises
https://www.ak-ns-euthanasie.de/wp-content/uploads/2025/12/Fruehjahrstagung_Infos_Mosbach.pdf

– Hans-Walter Schmuhl/ Karsten Wilke: Die Landeskinderheilstätte Mammolshöhe und ihr Direktor Werner Catel. Fürsorge, Therapie und unethische Forschung. 1927-1954
Werner Catel war einer der zentralen Personen der Kinder-Euthanasie. Er war Professor für Kinderheilkunde an der Universität Leipzig und bis 1946 Direktor der Universitätskinderklinik Leipzig. Als Gutachter im „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten Leidens“ war er für die Tötung zahlreicher Kinder direkt verantwortlich. Nach dem Krieg floh er in den Westen und konnte in Hessen und in Kiel eine neue Karriere aufbauen, da er „entlastet“ galt. Von 1947 -1954 leitete er als Direktor die Kinderheilstätte in Mammolshöhe in Hessen, wo er zahlreiche medizinische Forschungen zur Tuberkulose durchführte, die einigen Fällen zum Tode führten.
1954 wurde er Professor für Kinderheilkunde an der Universität Kiel. Als seine Rolle in der NS-Euthanasie bekannt wurde, wurde er 1960 wegen des öffentlichen Druckes vorzeitig emeritiert.
Wenig bekannt war bisher das Wirken von Catel in der Kinderheilstätte Mammolshöhe. Das neue Buch von Schmuhl/ Wilke informiert nun über diese Zeit und ihren umstrittenen (teils auch zwielichtigen) Direktor. Eine Rezension zum Buch von Tobias Freimüller ist im Bulletin des Fritz Bauer Institutes zu finden (Seite 84)
https://www.fritz-bauer-institut.de/fileadmin/editorial/publikationen/einsicht/Einsicht-2025.pdf.

– Ehemalige Heil- und Pflegeanstalt Eglfing/ Haar (bei München)
Die frühere HuP Eglfiung/ Haar ist heute ein modernes Klinikum. Dort findet vom 27.01.- 13.03.2026 eine Wanderausstellung über „Die Opfer der T4-Aktion aus Bayern“ statt. Die Vernissage ist am 27.Januar 2026 um 14.00 Uhr.                                         Anhang 7
Außerdem wird am 28. Mai 2026 das Puppentheaterspiel „F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig“ von Nikolaus Habjan im Kleinen Theater Haar aufgeführt. Es ist ein ungewöhnliches und sehr eindrucksvolles Puppenspiel, das in Österreich weithin bekannt ist. Karten sind inzwischen erhältlich.                              Anhang 8
https://www.youtube.com/watch?v=vgMbSxSd9Ok

– Neue Publikation zur Anstalt Irsee (Kaufbeuren/ Bayern)
Das Bildungswerk Irsee (Bayern) hat ein neues Buch zur Geschichte der Anstalt mit dem Titel „Anstalt Irsee: informieren- gedenken- bilden“ herausgegeben. In der Publikation gibt es 15 Beiträge, darunter auch der sehr eindrückliche Bericht von Schwester M. Johanna Keller über „Die Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul und die Anstalt Irsee“. 1928 kamen mehrere Schwestern aus dem Mutterhaus Augsburg nach Irsee und hatten ab 1939 mit den Maßnahmen der NS-Euthanasie zu tun, was zu sehr eigenen Auseinandersetzungen führte. Dort, wo diese Schwestern eingesetzt waren, gab es deutlich weniger Todesfälle.
https://bildungswerk-irsee.de/_ausstellungen_publikationen/veroeffentlichungen

– Forschungsarbeit zu Schicksalen von Menschen mit Behinderungen unter dem NS-Regime in der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) von Irina Rebrova
Die Historikerin Dr. Irina Rebrova vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin plant die Herausgabe eines Buches über die Schicksale von Menschen unter dem NS-Regime in der RSFSR mit dem Titel „Vergesst uns nicht…“ Autor*innen wurden bis 10. Dez.2025 angefragt, Nähere Informationen zu dem Projekt bitte anfragen bei irna.rebrova@tu-berlin.de
https://www.tu.berlin/asf/ueber-uns/team/wissenschaftliche-mitarbeitende/dr-irina-rebrova

  1. Fritz Bauer Freundeskreis
    – Mo, 26.01.2026, um 17 Uhr          im DGB-Haus, Braunschweig
    „“Fritz Bauer. Jurist und Sozialdemokrat. Bahnbrecher für unsere rechtsstaatliche Demokratie“.  Vortrag von Herta Däubler-Gmelin, Bundesjustizministerin a.D., Stuttgart
    – Mo, 30.03.2026, um 17 Uhr          im DGB-Haus, Braunschweig
    „Fritz Bauer und Thomas Harlan. Eine Freundschaft im Schatten einer unbewältigten Vergangenheit“.
    Vortrag von Werner Renz, Archivar des Fritz Bauer Institutes a.D., Frankfurt                         Anhang 9

Viele Grüße

Udo Dittmann